Als Jannis Maus (Jg. 1996) aus Oldenburg vor 13 Jahren das Kitesurfen für sich entdeckte, merkte er schnell, dass dies sein Sport ist und wieviel Spaß es macht, in einem großen Feld von Kitern im Wettbewerb zu stehen. Bereits 2015 krönte er seine Karriere mit dem Gewinn des WM-Titels im Formula Kiteracing (Tubekite). Als Foilracing (ein Board mit einer schwertartige Verlängerung samt Tragflächen unter dem eigentlichen Brett) zum ersten Mal auftauchte, war Jannis ein bisschen misstrauisch, ob die Entwicklung dort hin gehen würde, aber als Trainingskollegen ihn in diese Sportart einführten, gab es kein Halten mehr. Ein fünfter Platz beim World-Cup-Debüt in Deutschland 2016 motivierte ihn weiter Fortschritte zu machen und die Welt des Foilracings weiter zu entdecken und zu genießen. 

Fragen an Jannis Maus:

Rückblickend auf Deine Saison 2019: Wo hast Du sportlich Deine beste Leistung abgerufen ?
Wie in fast jeder Saison hatte ich mein Leistungsmaximum zum Ende hin, also beim KiteFoil Goldcup auf Sardinien Anfang Oktober. Wir hatten Winde von 7-40 Knoten, 20 Rennen, in denen ich sehr stark und konstant gekitet bin. Nur in zwei Rennen reichte es nicht für die TOP 10, oftmals mit Einzelresultaten in den TOP 5 und nach hinten raus bei extremem Starkwind noch zwei vierte Plätze. Mit dem 8. Platz unter 66 Teilnehmern aus über 20 Ländern bin ich sehr zufrieden; darauf lässt sich aufbauen.

Was lässt sich noch verbessern, woran kannst Du noch arbeiten ?
Ich sollte aufhören mir immer nur Schwachwind – meine eigentliche Paradewindstärke – zu wünschen, denn die Rennen vor Cagliari haben den Beweis erbracht, dass es auch anders geht. Verloren habe ich meist auf dem ersten Upwind durch kleine taktische Fehler und anfangs durch den fehlenden perfekten „Lock“ bei extremem Starkwind. Über den Winter werde ich auf jeden Fall versuchen, in einer größeren Trainingsgruppe zu trainieren und dazu versuchen, meine sehr gute körperliche Konstitution mit gezielterem Krafttraining noch besser ans Kiten anzupassen.

Wie trainierst Du normalerweise, gibt es Trainingsgruppen, hast Du einen Coach?
Im Kiten gab es bis jetzt weder eine regelmäßige Trainingsstruktur noch bezahlte Trainer oder Coaches. Tatsächlich helfen wir uns im deutschen Team untereinander und geben einander Tips in Bezug auf Technik und Taktik. Thomas Rein hat im vergangenen Herbst allerdings einen wichtigen Grundstein gelegt, als er das gesamte deutsche Team bei der Europameisterschaft auf Sardinien begleitete und uns im Grunde genommen erst einmal “beschnuppert” hat.
Zusätzlich hatte sich im Laufe der Saison durch die internationalen Wettkämpfe (1. Platz beim Kitefoil-Cup in Holland, 1.Platz Dänische Meisterschaft, 10. Platz EM, 8. Platz Worldcup) der Kontakt zum holländischen Kite-Coach Casper Boumann ergeben, der mich nach Spanien einlud, um für seinen nationalen Nachwuchs Techniktraining zu halten. Dieses internationale Training war ein echt bereicherndes Erlebnis für mich und hat wunderbar geklappt. Vor allem, ein Kitetraining einmal  aus der Trainerperspektive zu betrachten.

Sehen Dich Deine Mitstudenten an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg in den Vorlesungen jetzt wieder regelmäßig oder steht das Foilboard im Winter nicht im Schuppen ?
Das ist wirklich ein Balanceakt: Das Studium hat wieder voll angefangen und beansprucht durch viele Prüfungen und Praktika sehr viel Präsenszeit. Aber ich habe mich mit den Professoren gut gestellt und so wird der ein oder andere Fehltag hoffenltich nicht so ins Gewicht fallen!
Sobald ich irgendwie rauskomme, sitze ich im Auto auf dem Weg zu einem meiner Homespots – auch bei Minustemperaturen. Solange kein Eis auf dem Wasser schwimmt und die Sonne noch nicht untergegangen ist, bin ich bei gutem Wind in Hooksiel an der Nordseeküste zu finden.

Hat Dich Dein ewiger Kampf gegen Dauerrivale Florian Gruber (DM Platz 1 bzw. 2, Sardinien Platz 7 bzw. 8) eher gepusht oder ist es auch zermürbend immer knapp hinter ihm rauszukommen?
Tatsächlich motiviert mich der Kampf mit Flo ungemein. Wir sind privat sehr gut befreundet, kennen uns eigentlich schon das ganze Leben lang durch unsere Eltern und wissen natürlich auch über die Stärken und Schwächen des Anderen. Ich denke es ist für uns beide extrem motivierend so nah beieinander zu fahren und sich gegenseitig bis an die Grenzen zu pushen. Dadurch, dass Florian noch ein wenig mehr Wettkampferfahrung hat, hatte er am Ende meist die Nasenspitze etwas weiter vorne, aber vor allem auch durch ein gemeinsames Training werden wir beide besser und fahren insgesamt im internationalen Vergleich viel stärker, was natürlich total motiviert und im Sport nach vorne bringt.

Kitsurfen wird im Olympiajahr in Tokio zunächst als Demowettbewerb olympisch, gibt es eine Chance, Dich dort zu sehen? Was muss passieren?
Das wäre natürlich unglaublich! Jeder Sportler träumt davon, einmal bei den Olympischen Spielen dabei zu sein. Dieses Jahr in Tokio ist aller-dings noch nicht ganz sicher, welche Rolle wir Kiter da spielen werden. Mein persönlicher Fokus liegt viel mehr auf den Olympischen Spielen 2024 in Frankreich. Wenn alles glatt läuft, bin ich 2021 mit meinem Masterstudium der erneuerbaren Energien fertig und habe dann noch genug Zeit, um mich wirklich vollkommen auf die Olympischen Spiele zu konzentrieren und natürlich alles daran zu legen, dabei sein zu dürfen.

Jochen Bredt